· 10 Min. Lesezeit

Wie beginnt man mit RC-Modellen? Erstes Modell, Fliegen und Bauen ohne Stress

Du willst mit RC-Modellen anfangen, weißt aber nicht, wo du beginnen sollst? Dieser Leitfaden zeigt einen einfachen Weg: ein Simulator, ein erstes ruhiges Modell, Grundausrüstung und erst dann der Bau deines eigenen Balsamodells.

Wie beginnt man mit RC-Modellen? Erstes Modell, Fliegen und Bauen ohne Stress

RC-Modelle können einen über Jahre fesseln. Auf der einen Seite das Fliegen, auf der anderen die Technik, ein bisschen Elektronik, etwas Handarbeit und jede Menge Zufriedenheit, wenn etwas, das vorher in Einzelteilen auf dem Tisch lag, tatsächlich vom Boden abhebt.

Am Anfang steigt man jedoch leicht von der falschen Seite in dieses Hobby ein. Jemand sieht im Internet ein schönes Modell — einen schnellen Flieger, ein Scale-Modell oder einen eleganten Balsasegler — und will sofort genau das kaufen. Das Problem ist: Das beste erste RC-Modell ist meist nicht das, das am spektakulärsten aussieht. Das beste erste Modell ist das, mit dem du in Ruhe die Grundlagen lernen kannst.

Dieser Beitrag ist der erste Teil einer Serie für alle, die ohne Chaos in RC-Modelle einsteigen wollen. Ich tue nicht so, als könnte man alles an einem Abend meistern, denn das geht nicht. Aber man kann vernünftig anfangen: erst die Grundlagen verstehen, dann üben, ein paar sinnvolle Dinge kaufen und erst dann mit dem Bau des eigenen Modells beginnen.

Und ich schreibe es gleich ehrlich: Ja, ich stelle RC-Modellbausätze zum Selbstbau her. Aber wenn du noch nie ein Modell geflogen bist, ist der beste erste Schritt sehr oft nicht sofort ein Balsamodell. Zuerst lohnt es sich, das Fliegen an etwas Einfacherem, Robusterem und weniger Stressigem zu lernen.

Erst fliegen lernen, dann ein Modell bauen, um das es dir leidtäte

Das mag seltsam klingen aus dem Mund einer Firma, die Bausätze verkauft, aber für mich ist das die ehrliche Reihenfolge.

Ein Balsamodell macht enorm viel Freude. Du baust die Tragfläche, den Rumpf, das Leitwerk, montierst die Servos, bespannst es, richtest die Fernsteuerung ein und gehst erst dann zum Erstflug. So ein Modell hat für dich bereits einen Wert, der nicht nur finanziell, sondern auch emotional ist. Du hast deine Zeit hineingesteckt. Du weißt, wie viel Arbeit darin steckt.

Deshalb wäre es schade, es nur deshalb zu zerlegen, weil du zum ersten Mal ein Modell auf dich zufliegen siehst und die Knüppelrichtungen plötzlich vertauscht wirken.

Am Anfang ist das größte Problem nicht die Aerodynamik, die Profilwahl oder die perfekte Mischer-Einstellung im Sender. Das größte Problem ist die Orientierung in der Luft. Fliegt das Modell von dir weg, wirkt alles natürlich. Fliegt es auf dich zu, steuern viele instinktiv in die falsche Richtung. Und das reicht, um aus einem einfachen Flug ein schnelles Treffen mit dem Boden zu machen.

Deshalb sieht ein guter Weg so aus:

  1. Zuerst ein RC-Simulator oder ein einfaches Schaummodell.
  2. Dann ein paar ruhige Flüge und das Lernen von Start, Kurven und Landung.
  3. Erst später dein erstes Balsamodell oder ein bewussterer Bausatz.

Es geht nicht darum, das Bauen aufzuschieben. Es geht darum, dass dein erstes selbst gebautes Modell eine bessere Chance auf ein langes Leben hat.

RC-Simulator — der billigste erste Crash

Ein RC-Simulator ist eines der besten Dinge, die man am Anfang tun kann. Viele überspringen ihn, weil sie sofort „richtig fliegen" wollen. Ich verstehe das, aber ein Simulator spart eine Menge Nerven.

Am Simulator lernst du das, was in den ersten Flügen am wichtigsten ist:

  • die Flugrichtung halten,
  • Kurven fliegen, ohne die Kontrolle zu verlieren,
  • reagieren, wenn das Modell auf dich zufliegt,
  • zum Landen anfliegen,
  • das Höhenruder feinfühlig bedienen,
  • instinktiv Gas wegnehmen, wenn etwas schiefläuft.

Du musst keine Monate damit verbringen. Manchmal machen ein paar Abende einen riesigen Unterschied. Ein Simulator gibt nicht 100 % des Stresses eines echten Flugs, den Wind und die Entfernung wieder, aber er trainiert die Reflexe. Und bei den ersten Flügen zählen Reflexe mehr als Theorie.

Empfohlene Ausrüstung:

Wenn du bereits eine Fernsteuerung hast, lohnt es sich zu prüfen, ob man sie mit dem Computer verbinden kann. Wenn du erst einen Sender kaufst, wähle am besten einen, der auch mit einem Simulator funktioniert.

Ein einfacher Schaum-Motorsegler als erstes Modell

Wenn du mit echtem Fliegen beginnen willst, ist ein einfacher Schaum-Motorsegler eine sehr gute Wahl. So etwas wie die beliebten Modelle vom Typ Pioneer 1400 oder ähnliche RTF/PNP-Konstruktionen. Es geht nicht um eine bestimmte Marke, sondern um die Modellklasse: leicht, ruhig, elektrisch angetrieben, aus Schaum, mit großer Tragfläche und berechenbarem Verhalten.

Warum ist so ein Modell sinnvoll?

Erstens verzeiht Schaum viel. Bei den ersten Landungen bekommt das Modell oft etwas ab. Mal setzt du zu hart auf, mal bleibst du mit der Fläche im Gras hängen, mal landest du weiter als geplant. Ein Schaummodell lässt sich meist leicht wieder kleben und zurück in die Luft bringen.

Zweitens muss ein Motorsegler nicht ständig schnell fliegen. Du kannst mit dem Motor steigen, das Gas wegnehmen und in Ruhe gleiten. Du hast mehr Zeit zum Reagieren als bei einem schnellen Tiefdecker oder einem kleinen Kunstflieger.

Drittens vermittelt so ein Modell die Grundlagen, die dir später bei jedem anderen RC-Flieger nützen: Geschwindigkeit halten, Kurven, Höhenkontrolle, Landeanflug und das Einschätzen von Entfernungen.

Empfohlene Ausrüstung:

Ist so ein Modell Konkurrenz zu einem Balsabausatz? Meiner Meinung nach nein. Es ist eher eine erste Stufe. Wenn jemand nach ein paar Flügen feststellt, dass RC-Modelle nichts für ihn sind, ist es gut, dass er nicht mit einem langen Bau begonnen hat. Und wenn er Feuer fängt, wird er ein mit eigenen Händen gebautes Modell mit der Zeit umso mehr zu schätzen wissen.

Fertigmodell, Schaum oder KIT — was am Anfang wählen?

Auf dem Markt begegnen dir ein paar grundlegende Modelltypen.

RTF — Ready To Fly

RTF ist ein Set, das fast flugfertig ist. Meist enthält die Schachtel das Modell, eine Fernsteuerung, einen Empfänger, einen Akku und ein einfaches Ladegerät. Das ist der einfachste Weg, wenn du es einfach ausprobieren willst.

Der Vorteil ist die Einfachheit. Der Nachteil: Fernsteuerung und Zubehör sind oft sehr einfach. Gut für den Anfang, aber nicht immer gut auf Dauer.

PNP / BNF

PNP oder BNF ist ein teilweise ausgestattetes Modell. Es hat meist schon Servos, einen Motor und einen Regler, aber du brauchst deinen eigenen Sender, Empfänger und Akkus. Eine gute Wahl, wenn du von Anfang an eine bessere Fernsteuerung kaufen und sie später mit anderen Modellen nutzen willst.

KIT — ein Bausatz

Ein KIT ist ein völlig anderes Abenteuer. Du bekommst die Teile des Modells, einen Plan und eine Anleitung und baust die Konstruktion selbst zusammen. Bei Balsamodellen ist der Bau ein wichtiger Teil des Hobbys.

Das ist nicht der kürzeste Weg zum Fliegen, aber oft der interessanteste. Beim Bauen lernst du, wie Tragfläche, Rumpf, Leitwerk, Anlenkungen und Servohalterungen funktionieren. Wenn später etwas repariert werden muss, siehst du das Modell nicht als geschlossene Blackbox. Du weißt, was drinsteckt.

Sieh dir meine Balsa-RC-Bausätze an.

Warum man ein Balsamodell bewusst bauen sollte

Ein Balsamodell ist mehr als ein Produkt. Es ist ein Prozess.

Du löst die Teile aus den Brettchen, passt sie an den Plan an, klebst, schleifst, montierst die Ausrüstung, bespannst und stellst das Ganze für den Flug ein. Unterwegs lernst du Geduld und Genauigkeit. Der Modellbau zeigt sehr schnell, dass „wird schon irgendwie" meist mit einer schiefen Tragfläche oder einem Problem beim Einstellen der Ruder endet.

Du musst kein Meister-Modellbauer sein, um dein erstes Modell zu bauen. Du musst es nur ruhig angehen. Die Anleitung lesen, den Plan prüfen, den Kleber nicht überstürzen und nicht so tun, als würde eine Ungenauigkeit nach dem Bespannen von selbst verschwinden.

Die größte Belohnung kommt später. Das fertige Modell steht vor dir, du prüfst den Schwerpunkt, legst den Akku ein, testest die Ruder und wirfst es dann zum ersten Mal in die Luft. Das ist ein völlig anderes Gefühl als ein Flug mit einem Modell aus der Schachtel.

Genau deshalb mag ich Bausätze. Nicht, weil sie der schnellste Weg sind. Weil sie die größte Zufriedenheit geben.

Was braucht man zum Anfangen?

Du musst nicht gleich den halben Modellbauladen kaufen. Für den Anfang brauchst du ein paar Dinge.

Wenn du mit einem einfachen Fertigmodell startest, ist die Grundausstattung:

  • ein für Anfänger geeignetes RC-Modell,
  • eine Fernsteuerung und ein Empfänger,
  • ein LiPo-Akku,
  • ein Ladegerät mit Balancer,
  • ein Ersatzpropeller,
  • ein Akku-Spannungsprüfer,
  • etwas Klebeband und einfaches Werkzeug.

Wenn du mit dem Bau eines Balsamodells startest, wird die Liste länger:

  • ein Modellbaumesser,
  • Schleifpapier,
  • ein Baubrett,
  • Stecknadeln oder Magnete zum Bauen,
  • Sekundenkleber (CA),
  • Holzleim,
  • Epoxidkleber,
  • Bespannfolie,
  • ein Modellbau-Bügeleisen,
  • Servos,
  • eine Fernsteuerung,
  • ein Empfänger,
  • ein Akku,
  • ein Ladegerät.

Klingt nach viel, aber die meisten dieser Dinge bleiben lange bei dir. Eine Fernsteuerung kaufst du nicht für ein einziges Modell. Ein Ladegerät auch nicht. Das Werkzeug ergänzt du mit der Zeit nur.

Empfohlene Ausrüstung:

Was man nicht überstürzt kaufen sollte

Am Anfang kauft man leicht zu viel oder Dinge, die attraktiv aussehen, aber nicht zu deinem Weg passen.

Ich würde nicht sofort ein sehr schnelles Modell kaufen. Auch kein sehr kleines Modell, nur weil es billig ist. Kleine Modelle sind oft schwieriger, weil sie schneller reagieren, Wind schlechter vertragen und in der Luft weniger gut ablesbar sind.

Ich würde auch keine Fernsteuerung kaufen, die nur für ein Modell reicht. Wenn du weißt, dass dich das Hobby interessiert, kauf lieber einen Sender, der mehrere Modelle verwaltet, einen Modellspeicher, Expo, Servowege-Umkehr und eine vernünftige Empfängerverfügbarkeit hat.

Auch bei LiPo-Akkus muss man es nicht übertreiben. Kauf zuerst 1–2 Akkus, die zum Modell passen. Erst wenn du siehst, wie viel du wirklich fliegst und welchen Stil du hast, kauf weitere dazu.

Der einfachste Weg für Anfänger

Wenn ich einen vernünftigen Weg empfehlen müsste, sähe er so aus:

  1. Lies dich in die Grundlagen ein und schau dir auf YouTube an, wie man mit dem Fliegen von RC-Modellen anfängt.
  2. Kauf einen RC-Simulator und übe das Fliegen im Kreis und die Landung.
  3. Kauf einen einfachen Schaum-Motorsegler oder ein Trainermodell.
  4. Lerne zu starten, zu kurven und das Modell zu steuern, wenn es auf dich zufliegt.
  5. Kauf eine sinnvollere Fernsteuerung, falls dein erstes Set sehr einfach war.
  6. Wähle dein erstes Balsamodell zum Bauen.
  7. Bau in Ruhe, ohne Hast.
  8. Bitte einen erfahrenen Piloten um einen Einfliegeflug, wenn du die Möglichkeit hast.
  9. Flieg, justiere, repariere und lerne weiter.

Das ist nicht der einzige Weg, aber ein sehr sicherer und logischer.

Ist RC-Modellbau schwer?

Am Anfang kann es schwer wirken, weil alles auf einmal auftaucht: Fernsteuerung, Empfänger, Servos, Akkus, Ladegerät, Schwerpunkt, Ruder, Trimmung, Wind, Landung.

Aber wenn du es in kleinere Teile zerlegst, ergibt alles einen Sinn.

Die Fernsteuerung sendet ein Signal. Der Empfänger nimmt es auf. Die Servos bewegen die Ruder. Der Akku versorgt das Modell. Das Ladegerät lädt den Akku. Der Schwerpunkt entscheidet, ob das Modell stabil ist. Das Höhenruder steuert die Nicklage. Seitenruder und Querruder helfen beim Kurven.

Das ist keine Magie. Es ist eine Reihe einfacher Teile, die man zu einem Ganzen zusammenfügen muss.

Und genau das ist das Beste an diesem Hobby. Du kannst sehr einfach anfangen und dich dann über Jahre weiterentwickeln. Zuerst der erste Flug. Dann das erste selbst gebaute Modell. Dann Thermik, Wettbewerbe, eigene Modifikationen, Konstruieren, 3D-Druck, eine bessere Fernsteuerung, Telemetrie, neue Bauten.

Wie geht es weiter?

Dieser Beitrag ist eine Einführung. In den nächsten Teilen der Serie gehen wir konkrete Themen durch:

  • was man für den Anfang bei RC-Modellen kauft,
  • wie Fernsteuerung, Empfänger, Servos und Regler funktionieren,
  • wie man LiPo-Akkus sicher verwendet,
  • wie man sein erstes Balsamodell baut,
  • wie man ein Modell für den Erstflug vorbereitet.

Wenn du gerade erst anfängst, versuch nicht, alles an einem Tag zu erfassen. Das Wichtigste ist, sich am Anfang nicht entmutigen zu lassen. Fang in Ruhe an, wähle ein einfaches Modell, übe die Grundlagen und bau erst dann etwas, das dir mehr bedeutet als ein weiteres Fertigmodell aus der Schachtel.

RC-Modelle schmecken am besten, wenn Fliegen und Bauen zusammengehen. Zuerst lernst du, ein Modell in der Luft zu kontrollieren. Dann baust du dein eigenes. Und später kommt dieser Moment, in dem du einen Segler über ein Feld fliegen siehst und weißt, dass es wirklich deine eigene Arbeit ist.

Und genau darum geht es.

Affiliate-Hinweis

Einige Links in diesem Artikel können Affiliate-Links sein. Wenn du über einen solchen Link ein Produkt kaufst, erhalte ich möglicherweise eine kleine Provision, aber der Preis für dich ändert sich dadurch nicht. Ich verlinke nur Dinge, die im Kontext des RC-Modellbaus sinnvoll sind.

Paweł Kohls

Über den Autor

Paweł Kohls

Kohls RC Models

Ich entwerfe und fertige Balsa-RC-Modellbausätze zum Selbstbau. Im Blog teile ich praktische Tipps zu Ausrüstung, Fliegen und Modellbau.

Noch Fragen? Frag in der Gruppe Tritt der RC-Builders-Gruppe auf Facebook bei — frag ganz offen nach deinem ersten Modell, Ausrüstung und Bau. Wir helfen dir, stressfrei in RC einzusteigen.

Community

Folge mir

Bleib auf dem Laufenden

Newsletter
aus der Werkstatt.

Ein paar Mal im Jahr sende ich Neuigkeiten, Baufotos und Notizen von meiner Arbeit an kommenden Modellen.

Kein Spam · Jederzeit abbestellbar

Einen Blick wert

Weitere Projekte